Viele Besucher sehen Melk zuerst als Stift über der Donau. Der Blick ist eindrucksvoll, verdeckt aber leicht die Stadt darunter: einen Bezirkssitz, dessen Gassen, Markttraditionen und Flussverbindungen erklären, warum dieser Ort schon vor dem Tourismus bedeutend war. Melk liegt am westlichen Eingang der Wachau, einer von der UNESCO anerkannten Kulturlandschaft. Stift und Stadt erschließen sich besser gemeinsam als auf einer einzigen Postkarte.

Eine Donaustadt mit belegten mittelalterlichen Anfängen

Die Stadtgeschichte nennt die erste urkundliche Erwähnung als Medilica im Jahr 831. Funde belegen eine vorgeschichtliche Besiedlung; die angenommene Lage des römischen Kastells Namare beim heutigen Donauübergang bleibt eine Vermutung. Daraus lässt sich keine römische Stadtgründung ableiten. 976 gelangte die Burg an die Babenberger; 1089 wurden Benediktiner auf dem Burgfelsen angesiedelt. Der weithin sichtbare barocke Stiftsbau entstand im frühen 18. Jahrhundert.

Die Donau machte Melk zu einem Markt- und Umschlagplatz für die Wachau und das Hinterland. Später gewannen Bezirksverwaltung und Tourismus an Gewicht. Die Stadtgemeinde beschreibt eine heute überwiegend von Dienstleistungen geprägte Wirtschaft, mit Behörden, Tourismus, Gastronomie und weiteren Betrieben. Melk ist also Arbeits- und Wohnort, nicht nur Kulisse. Statistik Austria zählte am 31. Dezember 2025 in der gesamten Gemeinde 5.826 Menschen mit Hauptwohnsitz; die Zahl bezeichnet nicht nur die Altstadt.

Sehenswertes unterhalb des Stifts

Ein Gang vom Rathausplatz durch die Sterngasse vor dem Aufstieg zum Stift lohnt sich. Der historische Stadtrundgang führt an Mauerresten, alten Häusern und jener Gasse vorbei, die den verheerenden Brand von 1847 überstand. Im Stift erzählen Kirche, Marmorsaal und Bibliothek von den kulturellen Ansprüchen des Klosters; der Blick auf die Donau erklärt seine Lage. Wer danach ans Ufer zurückkehrt, sieht die Verbindung zwischen Stadt und Fluss unmittelbar.

Der Stadtpatron Koloman gehört zur Überlieferung, die klar als solche bezeichnet werden sollte. Der von der Gemeinde wiedergegebenen Legende zufolge war er ein irischer Königssohn und Pilger, den man für einen Spion hielt. Die königliche Herkunft ist kein gesicherter biografischer Befund. Der seit 1451 gefeierte Kolomanikirtag dagegen ist eine belegte lokale Tradition.

Zur Geschichte Melks gehört auch ein schweres Kapitel: Während der NS-Zeit bestand hier ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Die KZ-Gedenkstätte Melk dokumentiert mehr als 4.800 Tote in Melk. Das barocke Stadtbild darf diese Geschichte nicht überdecken.

Anreise nach Melk

Melk liegt an der Westbahnstrecke zwischen Wien und Linz; aktuelle Verbindungen sollten bei ÖBB oder Westbahn geprüft werden. Die Stadt nennt regionale Busverbindungen aus Krems und empfiehlt, Altstadt und Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erkunden. Auf der Straße liegt Melk laut Gemeinde ungefähr 80 km von Wien und 90 km von Linz entfernt. Aktuelle Hinweise zu Bus und Parken stehen auf ihrer Anreiseseite.