Wer Oberkirch besucht, sollte nicht nur zum Marktplatz gehen und danach zur Burgruine hinaufschauen. Die Stadt liegt dort, wo die Oberrheinebene in das Renchtal übergeht und die westlichen Schwarzwaldhänge beginnen. Unten im Tal verlaufen Bahnlinie und Straßen; im Ortskern liegen Geschäfte, Gastronomie und Betriebe; auf den Hängen folgen Reben und Obstgärten, dahinter Wald. Diese Übergänge prägen den Alltag ebenso wie den Urlaub. Oberkirch ist ein Zentrum für ein größeres Gemeindegebiet: Neben der Kernstadt zählen Bottenau, Butschbach-Hesselbach, Haslach, Nußbach, Ödsbach, Ringelbach, Stadelhofen, Tiergarten und Zusenhofen dazu. Laut dem städtischen Klimaschutzkonzept reicht die Höhenlage des Gebiets von 194 bis 873 Metern.
Die amtliche Bevölkerungsstatistik des Landes Baden-Württemberg weist für die gesamte Stadtgemeinde 19.888 Einwohnerinnen und Einwohner am 30. Juni 2024 aus. Der Wert umfasst die Kernstadt und die Ortsteile; er ist keine Zahl allein für die Innenstadt. Diese Unterscheidung ist praktisch: Der Bahnhof, das Museum, Einkaufsmöglichkeiten und viele Gaststätten liegen zentral, während Kapellen, Aussichtspunkte und manche Wanderwege in den Ortsteilen beginnen. Ein Ringbus verbindet den Kern mit mehreren Orten, doch wer eine Wanderung plant, sollte die aktuelle Verbindung für Hin- und Rückweg vorab prüfen.
Stadtrechte, Zerstörung und Wiederaufbau
Erstmals schriftlich erwähnt wurde Oberkirch im 11. Jahrhundert. 1326 verlieh Bischof Johann I. von Straßburg dem Ort die Stadtrechte; von 1303 bis 1803 gehörte Oberkirch zum Territorium der Straßburger Bischöfe. 1689 brannten französische Truppen während des Pfälzischen Erbfolgekriegs die Stadt nieder und zerstörten sie fast vollständig. Der städtische Rundgang erklärt, dass steinerne Bauteile beim Wiederaufbau erneut verwendet wurden. Die Altstadt ist deshalb keine unveränderte mittelalterliche Kulisse. Ihr Reiz entsteht aus den späteren Schichten: barocke Häuser, Fachwerk, enge Gassen, Reste der Stadtmauer und der Mühlbach, der durch den Ortskern fließt. Das Jubiläumsprogramm 2026 erinnert an die Verleihung der Stadtrechte vor 700 Jahren.
Der historische Stadtbummel ist ein sinnvoller Einstieg. Die Route verbindet den Bereich um den Marktplatz mit Mühlbach, Stadtmauer, Oberer Linde, Toren und Brunnen, Stadtschloss, Kirchen und ehemaligem Spital. Der Wasserlauf war nicht nur ein malerisches Element, sondern lieferte früher auch Antrieb für Mühlen und Handwerksbetriebe. Das 1802 errichtete Alte Rathaus beherbergt heute das Heimat- und Grimmelshausenmuseum sowie die Städtische Galerie. Die neue multimediale Dauerausstellung stellt den Barockschriftsteller Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen und seine Zeit vor; weitere Räume behandeln Stadtgeschichte, Handwerk, Landwirtschaft, Industrie und Brauchtum im Renchtal. Die Stadt nennt derzeit Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr sowie Sonntag von 12 bis 17 Uhr als Öffnungszeiten. Vor dem Besuch sollte man mögliche Änderungen prüfen. Im Ausstellungsprogramm 2026 ist im Herbst eine Schau zu Grimmelshausen angekündigt.
Die Schauenburg und die Grenzen des gesicherten Wissens
Über Gaisbach erhebt sich die Ruine Schauenburg, Oberkirchs bekanntestes Wahrzeichen. Teile der Ringmauer, eine bis zu 3,7 Meter starke Schildmauer, Brunnen, Keller und Reste zweier Wohntürme zeigen, wie befestigt die Anlage war. Eine städtische Untersuchung schreibt Herzog Berthold II. von Zähringen den Bauauftrag zu und datiert ihn wahrscheinlich in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts. Der Platz sollte die West-Ost-Verbindung durch das Renchtal über den Kniebis kontrollieren. Zugleich widerspricht die Untersuchung einer spektakulären, aber unbelegten Vorgeschichte: Eine prähistorische Besiedlung des Burghügels ist nicht nachgewiesen; römische Funde gelten als mittelalterliche Mitbringsel und belegen keine römische Burg. Die Schauenburg lässt sich als mittelalterliche Anlage erklären, ohne ihr ein erfundenes antikes Alter zu verleihen.
Auch die Geschichte ihres Endes ist differenzierter als die verbreitete Kurzfassung. Oberkirch wurde 1689 zerstört, die Schauenburg jedoch nicht. Ein Gerichtsprotokoll hält fest, dass französische Soldaten 1693 auf der Burg einquartiert waren. Zwischen 1703 und spätestens 1731 wurde sie zur Ruine; wann genau und wodurch, ist nicht bekannt. Später holten Einwohner Steine aus der Anlage. Vom erhaltenen Mauerwerk geht der Blick über die Kernstadt, Rebhänge und den Taleingang bis zur Rheinebene; bei klarer Sicht reicht er bis zu den Vogesen. Wege und mögliche Einkehrangebote können sich ändern, daher lohnt vor dem Aufstieg ein Blick auf die örtlichen Hinweise.
Literatur, Obstbau und Arbeitsplätze
Mit der Schauenburg ist die Geschichte Grimmelshausens verbunden. Der Autor des Simplicissimus Teutsch lebte und arbeitete beinahe zwei Jahrzehnte in Oberkirch und den heutigen Ortsteilen Gaisbach und Tiergarten. Städtische Quellen nennen seine Tätigkeit als Verwalter schauenburgischer Güter und später als Wirt des Gasthauses Zum Silbernen Stern; die Stadtbroschüre datiert seine Zeit als Wirt auf 1665 bis 1667. Zusammen mit der St.-Georgs-Kapelle und dem ehemaligen Wirtshaus ergibt sich in Gaisbach ein kleines literarisches Ziel, das sich gut mit der Burg verbinden lässt. Im Museum helfen Hörstationen, Animationen und interaktive Elemente, den Barockschriftsteller auch ohne literaturwissenschaftliche Vorkenntnisse einzuordnen.
Die Landschaft rund um die Stadt ist von Obst und Wein geprägt. Erdbeeren, Äpfel, Beeren, Kirschen, Zwetschgen und weitere Früchte wachsen in der Region; der Obstgroßmarkt Mittelbaden hat seinen Hauptsitz in Oberkirch. Die regionale Tourismusseite führt aktuell 796 Hausbrennereien in der Stadt auf. Die Tradition hat einen konkreten historischen Ausgangspunkt: 1726 gestattete der Straßburger Bischof Armand de Rohan den Bauern in seinem rechtsrheinischen Herrschaftsgebiet, überschüssiges Obst zu destillieren. Einige Betriebe bieten Führungen oder Verkostungen nach Vereinbarung an, außerdem veranstalten Winzer Weinproben. Die registrierte Zahl bedeutet nicht, dass alle Brennereien spontan geöffnet sind. Termine, Teilnahmebedingungen und Öffnungszeiten sind direkt bei den Betrieben zu klären.
Oberkirch ist zugleich Industriestandort und Dienstleistungszentrum des Tals. Das Klimaschutzkonzept der Stadt von 2025 nennt auf Grundlage von Beschäftigtendaten zum 31. Dezember 2021 insgesamt 8.327 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze; 4.623 davon entfielen auf das produzierende Gewerbe. Als große Arbeitgeber werden Koehler Paper SE, Ruch Novaplast und Progress-Werk Oberkirch aufgeführt. Landwirtschaft, Weinbau, Handwerk, Industrie, Einzelhandel und Tourismus bestehen hier nebeneinander. In der Fußgängerzone gibt es Cafés, Geschäfte und Restaurants; die Tourist-Information befindet sich in der Bahnhofstraße 16. Da ihre Servicezeiten saisonal wechseln, sollte man sie auf der Seite von Renchtal Tourismus vor einem persönlichen Besuch nachsehen.
Wandern, Ortsteile und die Anreise
Der Oberkircher Brennersteig verbindet die Obstlandschaft mit dem Handwerk des Brennens. Der 14 Kilometer lange Weg umrundet das Hesselbacher Tal und führt über Wald- und Wiesenwege, Obstplantagen und Rebhänge zum Geigerskopfturm. Der Aussichtsturm ist 20 Meter hoch; bei gutem Wetter reicht der Blick über die Rheinebene bis zu den Vogesen. Unterwegs liegen Brennereien und Einkehrmöglichkeiten. Da Verkostungen, Getränke und Bewirtung von den einzelnen Höfen und deren Öffnungszeiten abhängen, sollte man sie vorab erfragen und eine Wanderung nicht auf eine ungeprüfte Einkehr bauen. Für längere Touren bietet sich der knapp 100 Kilometer lange Renchtalsteig an. Seine erste Etappe beginnt am Rathaus in Bottenau und endet in Oppenau; der Ringbus stellt die Verbindung vom Bahnhof Oberkirch zum Startpunkt her.
Auch die Ortsteile erzählen unterschiedliche Teile des Tals. In Bottenau steht die barocke St.-Wendelin-Kapelle, zu der im Oktober eine Reiterprozession gehört. Das Gewann Klingelberg in Haslach gab dem Riesling den regionalen Namen Klingelberger. Nußbach ist bereits 994 urkundlich erwähnt; Stadelhofen ist für die Obstblüte im Frühjahr bekannt; in Zusenhofen hält die Renchtalbahn. Die Ringbuslinien 1 und 2 verbinden mehrere Ortsteile in entgegengesetzter Richtung mit dem Stadtkern, Linie 3 fährt Ödsbach und Hesselbach an. Die Verkehrsseite weist ausdrücklich auf mögliche Fahrplanänderungen hin, die vor der Abfahrt zu prüfen sind.
Mit der Bahn fährt man über die Renchtalbahn von Offenburg oder Appenweier nach Oberkirch; dort besteht Anschluss an die Hauptstrecke entlang des Rheins. Wer mit dem Auto kommt, nimmt laut regionaler Tourismusinformation die A5 Karlsruhe–Basel bis zur Ausfahrt Appenweier und fährt von dort etwa zwölf Kilometer weiter. Diese Angabe beschreibt die Route, nicht eine garantierte Fahrzeit. Fahrpläne, Baustellenmeldungen und den Zustand der Wege sollte man kurz vor der Reise erneut ansehen. Ein erster Tag reicht für Altstadt, Museum und Essen im Zentrum; ein weiterer kann Gaisbach und Burg oder die längere Wanderung durch Obst- und Weinlagen umfassen. Konzerte, Theater im freche hus sowie Erdbeer- und Weinfest ergänzen das Angebot. Oberkirch ist damit ein praktischer Ort zum Übernachten und zugleich eine Stadt, deren wirtschaftliches und kulturelles Leben nicht allein vom Tourismus abhängt.