Schaffhausen entstand an einem Ort, an dem der Verkehr auf dem Rhein seinen Weg wechseln musste. Die Stadt liegt am Fluss im nördlichsten Teil der Schweiz, nahe der deutschen Grenze und unweit des Rheinfalls. Die STATPOP-Reihe des Bundesamts für Statistik weist für die Gemeinde Ende 2024 38’964 dauerhaft ansässige Personen aus. Die kompakte, weitgehend verkehrsfreie Altstadt wirkt noch heute wie eine Handelsstadt: Zunfthäuser, Brunnen, bemalte Fassaden und Erker führen zum Rhein hinunter, während der Munot über den Dächern steht.

Die erste urkundliche Nennung bedeutet nicht, dass die heutige Stadt in einem einzigen Jahr gegründet wurde. 1045 verlieh Kaiser Heinrich III. Graf Eberhard von Nellenburg das Münzrecht in Schaffhausen. Der wirtschaftliche Zusammenhang ist überliefert: Stromschnellen und Rheinfall unterbrachen die Schifffahrt, deshalb wurden Waren ausgeladen, auf dem Landweg am Hindernis vorbeigebracht und wieder auf Schiffe verladen. Eberhard und seine Frau Ita gründeten 1049 die Benediktinerabtei Allerheiligen. Damit kam neben dem Handelsplatz ein religiöses und politisches Zentrum hinzu. Diese dokumentierte Geschichte erzählt mehr als eine spätere Gründungslegende: Flussübergang, Umschlagplatz und Kloster prägten die frühe Stadt.

Die Klosteranlage Allerheiligen macht diese Entwicklung sichtbar. Die frühere Abteikirche wurde um 1106 geweiht; heute liegen die romanische Kirche, der Kreuzgang und der Garten neben dem Museum zu Allerheiligen. Seine Sammlungen verbinden Archäologie, Regionalgeschichte, Kunst und Naturkunde – von steinzeitlichen Funden und der mittelalterlichen Blütezeit des Klosters bis zur neueren Industriegeschichte. Münster, Kreuzgang und Klostergarten lassen sich auch unabhängig von den Ausstellungsräumen besuchen; im Museumskomplex gibt es ein Café. Öffnungszeiten und Sonderausstellungen bitte vorab prüfen, da sie sich im Jahresverlauf ändern.

Vom Klosterviertel führt der Spaziergang durch die Altstadt Richtung Fronwagplatz und Herrenacker. Schaffhausen nennt man die Stadt der 171 Erker. Die vorspringenden Fenster und bemalten Häuser wirken am besten, wenn man langsam durch die Gassen geht. Sehenswert sind das Haus zum Ritter und die alten Zunfthäuser; am Herrenacker laden Cafés und Restaurants zur Pause ein. Schaffhauserland Tourismus bietet öffentliche und private Themenführungen zur Architektur und Stadtgeschichte an, teils mit Besuch des Munots und in mehreren Sprachen.

Der Munot ist das weithin sichtbare Wahrzeichen, aber zugleich ein öffentlicher Ort ohne Eintrittskasse. Die runde Befestigung aus dem 16. Jahrhundert hat bis zu vier Meter dicke Mauern, ist ganzjährig kostenlos zugänglich und umschliesst einen Graben mit Damhirschen. Über die spiralförmige Reitschnecke gelangt man zur Plattform mit weitem Blick auf Altstadt, Rhein und Hügel. Jeden Abend um neun läutet die Munotwächterin oder der Munotwächter die Glocke von Hand. Das Ritual erinnert an die Zeit, als das Läuten das Schliessen der Stadttore ankündigte. Der Aufstieg umfasst viele Stufen; die Anlage ist nicht rollstuhlgängig.

Auch Schaffhausens Kulturangebot ist vielfältig. Im Museum zu Allerheiligen begegnen sich regionale Archäologie, Kunst und Wirtschaftsgeschichte. Die Industrialisierung gewann an Fahrt, als der Moserdamm und sein Wasserkraftwerk günstigen Strom für Metallverarbeitung und Maschinenbau lieferten. Die Georg-Fischer-Stahlwerke und die Uhrenfabrik IWC gehören zu dieser industriellen Entwicklung. Eine von der Stadt beauftragte Studie auf Basis eidgenössischer Beschäftigungsdaten nennt für 2021 21’762 Vollzeitäquivalente in der Stadt und weist erhebliche Zupendlerströme aus. Heute finden Gäste ausserdem Läden, Restaurants, Cafés, Theater, Galerien und Badeplätze am Rhein. Das Visitor Centre an der Vordergasse 73 gibt regionale Broschüren und Wanderkarten ab; dort werden auch Weine aus dem Schaffhauser Pinot-Noir-Gebiet vorgestellt.

Der Rhein ist nicht nur Kulisse, sondern ein Weg durch die Region. Der Rheinfall liegt in der Nachbargemeinde Neuhausen am Rheinfall und damit ausserhalb von Schaffhausen; Schweiz Tourismus verortet ihn ungefähr zehn Minuten von der Stadt entfernt. Vom Bahnhof fahren Busse Richtung Neuhausen und Rheinfall. Der SBB-Umgebungsplan zeigt ausserdem Verbindungen nach Neuhausen, Stein am Rhein, Singen und zur Schifflände. Für Velofahrende führt die markierte Rheinfall-Route als 21-Kilometer-Rundtour von Schaffhausen am Wasserfall vorbei bis zum Kloster Rheinau. Die Tourismusorganisation weist darauf hin, dass Wetter und Jahreszeit zu Sperrungen oder Unterbrüchen führen können. Schifffahrten, die Reborte Hallau und Wilchingen sowie Stein am Rhein bieten weitere Ziele für Ausflüge.

Mit dem Zug ist Schaffhausen ein bequemer Ausgangspunkt. Die SBB führen direkte Fernverkehrszüge nach Zürich; Regionalverbindungen verknüpfen die Stadt mit dem Rheinufer und nahen deutschen Orten. Von Zürich bieten IC und RE48 eine direkte Fahrt. Den Fahrplan für den Reisetag sollte man prüfen, besonders wenn eine Schifffahrt oder der Besuch des Rheinfalls anschliessen soll. Für einen ersten Tag reichen Altstadt, Allerheiligen, Munot und der Uferweg Lindli. Am nächsten Tag passt Neuhausen oder ein Abstecher ins Weinland. Schaffhausen ist nicht bloss das Vorprogramm zum Wasserfall, sondern die historische Flussstadt, die dort wuchs, wo Handel, Schifffahrt und Landwege zusammenliefen.