Aarau ist eine kompakte Kantonshauptstadt mit dem Alltag einer Arbeitsstadt. Sie liegt an der Aare am Südrand des Juras, 385 Meter über Meer. Ende 2025 zählte die Stadt 22’892 Einwohnerinnen und Einwohner und weist 33’000 Arbeitsplätze aus. Verwaltung, Handel, Kultur und Dienstleistungen liegen dadurch dicht beieinander. Die Stadt datiert ihre Gründung auf 1248. Ein Besuch kann am Bahnhof beginnen, durch die Altstadt führen und am Fluss oder im nahen Wald weitergehen – Aarau ist mehr als ein Zwischenhalt zwischen grösseren Städten.
Der unregelmässige Grundriss der Altstadt folgt noch dem Verlauf der ersten Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert; ein grosser Teil der erhaltenen Bausubstanz stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Besonders auffällig sind die bemalten Dachuntersichten: Über 70 davon schmücken die Häuser. In den Gassen lohnt sich der Blick nach oben, zu geschnitzten Balken und Bildtafeln über Geschäften, Cafés und kleinen Betrieben. Die Malereien wirken auf den ersten Blick mittelalterlich, doch die lokale Denkmalpflege hält fest, dass die meisten heutigen Bemalungen aus dem 20. Jahrhundert stammen; bei Restaurierungen kommen gelegentlich ältere Schichten zum Vorschein. Gerade diese Mischung aus Alter und späterer Gestaltung macht Aaraus «Dachhimmel» interessant.
Politisch war Aarau für kurze Zeit weit wichtiger, als seine Grösse vermuten lässt. Im April 1798 wurde die Stadt zur provisorischen Hauptstadt der Helvetischen Republik erklärt; Parlament und Regierung tagten hier einige Monate. Mit der Gründung des Kantons Aargau 1803 wurde Aarau dessen Hauptstadt. Rathaus, frühere Regierungsgebäude und zentrale Strassen prägen bis heute den Charakter als Verwaltungs- und Kulturort. Ein selbstgeführter Rundgang führt zum Obertorturm, zur Stadtkirche, zur Halde und zum Haus zum Schlossgarten, das Aarau Info als ersten Regierungssitz der modernen Schweiz beschreibt.
Aarau Info an der Metzgergasse gibt Stadtpläne ab, vermittelt Führungen und hilft bei Unterkünften, Restaurants und Kulturveranstaltungen. Das Stadtmuseum Aarau verbindet Fotografie, Film und Stadtgeschichte. Im Naturama Aargau geht es um Lebensräume und Tierwelt der Region; das Aargauer Kunsthaus zeigt Schweizer Kunst in wechselnden Ausstellungen. Zusammen sind die Museen ein gutes Schlechtwetterprogramm, aber Öffnungszeiten und Ausstellungen ändern sich – vor dem Besuch bitte prüfen. Auch Rundgänge zu Kunst im öffentlichen Raum, Architektur und den bemalten Giebeln werden angeboten.
Lokale Bräuche geben dem Jahr einen eigenen Rhythmus. Der Bachfischet geht auf die jährliche Reinigung des Stadtbachs zurück; 1526 wurde sie erstmals schriftlich erwähnt, und 2026 stand das 500-Jahr-Jubiläum an. Beim heutigen Umzug ziehen Schulkinder mit Laternen durch die verdunkelte Altstadt. Der Maienzug bringt im Sommer Umzug und Stadtfest zusammen. Im Herbst füllt der Rüeblimärt die Gassen mit Rüebli und regionalen Produkten. Er findet jeweils am ersten Mittwoch im November statt; für 2026 war der 4. November angesetzt. Wochenmarkt und weitere saisonale Warenmärkte bieten auch ausserhalb der grossen Feste Gelegenheit, Produzenten aus der Region kennenzulernen.
Die Aare bildet eine grüne Achse durch die Stadt. Am Uferweg wechseln sich Inseln und Sandbänke mit Abschnitten zum Spazieren und Joggen ab. Wer weiter westwärts geht, erreicht das Roggenhausen-Tal mit Wildpark. Dort gibt es Wild- und Haustiere, einen Obstgarten, einen Naturlehrpfad und einen Spielplatz – ein unkomplizierter Ausflug für Familien. Nahe Wälder und Wege eignen sich für längere Runden. Zugänge und Wetterlage sollte man bei einer ausgedehnten Tour vorher prüfen.
Die Wirtschaft zeigt sich im Gegensatz zwischen historischer Altstadt und regionaler Arbeitsplatzdichte. Das Stadtprofil nennt mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Kantonale Verwaltung und öffentliche Einrichtungen stehen neben Handel, Kultur, Gesundheit und regionalen Unternehmensdiensten. Die vielen Menschen, die zum Arbeiten nach Aarau kommen, tragen dazu bei, dass Cafés, Veranstaltungen und Geschäfte nicht nur von Ausflüglern leben.
Mit der Bahn ist Aarau ein praktischer Ausgangspunkt in mehrere Richtungen. Die SBB führen direkte Fernverkehrszüge nach Zürich, Basel, Olten und Bern; für die konkrete Reise lohnt sich ein Blick in den aktuellen Fahrplan, da mehrere Linien verkehren. Für einen halben Tag passen Altstadt, Dachhimmel, ein Museum und der Aareweg gut zusammen. Wer länger bleibt, ergänzt den Wildpark Roggenhausen oder einen Ausflug in die Region. Aarau erschliesst sich am besten zu Fuss – beim Blick über die Dächer und auf das Zusammenspiel von nationaler Geschichte, kantonalen Institutionen und Markttag.