Rapperswil-Jona wird gern mit einer Burg, Rosen und dem blauen Zürichsee beschrieben. Das Bild stimmt, zeigt aber nur den historischen Kern am westlichen Rand einer weitläufigen Gemeinde. Am Obersee liegen neben der Altstadt Rapperswil auch Jona, Kempraten und weitere Quartiere. Die Statistik des Kantons St. Gallen nennt für das Jahr 2025 insgesamt 28'834 Personen in der ständigen Wohnbevölkerung der Gemeinde; gemeint ist Rapperswil-Jona, nicht das ganze Seegebiet. Die Stadt ist zugleich Ausflugsziel, Wohnort und Dienstleistungszentrum. Ihre Identität entsteht aus diesen verschiedenen Funktionen und aus einer Uferlage, die seit Jahrhunderten Menschen und Waren über den See führte.

Ein alter Seeübergang und eine mittelalterliche Stadt

Besiedelt war die Gegend lange vor der Stadtgründung. Archäologische Funde reichen nach der regionalen Geschichtsdarstellung mindestens 5'000 Jahre zurück; beim heutigen Seedamm kamen Reste einer prähistorischen Holzbrücke aus der Zeit um 1600 v. Chr. zum Vorschein. In Kempraten lag die römische Siedlung Centum Prata, deren bauliche Spuren an mehreren Stellen dokumentiert sind. Diese Zeugnisse gehören zur Geschichte des Seeufers und dürfen nicht mit einer römischen Gründung der mittelalterlichen Stadt verwechselt werden. Rapperswil dürfte um 1200 entstanden sein, als die Adelsfamilie ihren Sitz von Alt-Rapperswil, dem heutigen Altendorf, ans gegenüberliegende Ufer verlegte. Stadt und Burg sind 1229 erstmals urkundlich erwähnt. 1358 kam eine hölzerne Brücke nach Hurden hinzu. Die lokale Übersicht zur Stadtgeschichte trennt diese gesicherten Daten von der früheren Besiedlung des Umlands.

Altstadt, Schlossberg und Rosengärten

Vom Bahnhof führt ein kurzer Weg zum Hafen und durch Gassen mit Läden und Cafés hinauf zum Lindenhügel. Das Schloss beherrscht die Dachlandschaft und prägt die Silhouette, wenn man sich Rapperswil vom Wasser nähert. Oben öffnet sich der Blick über den Hafen, den Obersee und den Seedamm. Eine Ausstellung im Schloss erzählt von der wechselvollen Baugeschichte und den Verbindungen zu den Habsburgern und zum Seeübergang. Unterhalb des Hügels liegen der Hirschpark und die Uferwege, die einen gemütlichen Rundgang ergänzen.

Die Rosen sind kein blosses Werbemotiv: In den Gärten beim Kapuzinerkloster und auf der Schanz blühen von Mai bis Oktober mehr als 20'000 Rosen. Im Blindengarten der Schanz sind Duftrosen mit Hinweistafeln in Brailleschrift beschriftet. Der Freitagsmarkt bringt regelmässig frische Waren in die Altstadt; Geschäfte, Gastronomie und Veranstaltungen halten sie auch ausserhalb der Hauptsaison belebt. Vom Hauptplatz führen 53 Stufen zum Schloss. Der Aufstieg ist kurz, aber er zeigt, wie eng die Stadt zwischen Hang, Ufer und Hafen gebaut ist. Wer Zeit hat, sollte nicht nur den Aussichtspunkt besuchen, sondern auch die Seitengassen und die niedrigeren Wege am Wasser erkunden.

Stadtgeschichte in einem alten Haus

Das Stadtmuseum Rapperswil-Jona auf dem Herrenberg nutzt einen Turm aus dem 14. Jahrhundert und ein Stadthaus aus dem 15. Jahrhundert. Seine Dauerausstellung erzählt rund 800 Jahre Stadt- und Kulturgeschichte. Ein Modell zeigt Rapperswil um 1800; im Vergleich mit dem heutigen Stadtplan werden Wachstum und Umbau sichtbar. Handwerk, Goldschmiedekunst, Industrie, Tourismus und der Circus Knie tauchen neben der politischen Geschichte auf. Die Mischung passt zu einer Stadt, die immer mehr als ihre mittelalterlichen Fassaden war. Das Museum ist rollstuhlgängig; Öffnungszeiten und aktuelle Ausstellungen sollte man vorab prüfen.

Industriegeschichte lässt sich auch in der Alten Fabrik lesen. Das Gebäude war die erste Produktionsstätte von Geberit und dient heute als Kulturhaus mit Ausstellungen, Theater, Musik, Literatur und Stadtbibliothek. Die Unternehmenschronik setzt Geberits Anfang auf 1874, als Albert Gebert in Rapperswil eine Spengler- und Installationswerkstatt eröffnete. Im Stadtteil Jona liegt ausserdem der Campus der OST – Ostschweizer Fachhochschule mit Hochschul-, Labor- und Forschungsgebäuden. Unternehmen, Bildung, Handel, Kultur und Tourismus stehen nebeneinander; so erklärt sich, warum die Gemeinde nicht bloss eine Kulisse für Tagesgäste ist, sondern ein Arbeits- und Versorgungsort der Region.

Zu Fuss nach Hurden, mit dem Schiff zu den Inseln

Am Hafen beginnt einer der eindrücklichsten Spaziergänge: der Holzsteg über den See nach Hurden. Der heutige Holzsteg nach Hurden wurde 2001 eröffnet, ist 841 Meter lang und liegt auf der Linie früherer Übergänge, die auch Pilger auf dem Jakobsweg nutzten. Sie führt über das Wasser, während der Seedamm daneben Strasse und Bahn trägt. Hurden gehört zum Kanton Schwyz; Pfäffikon liegt gleich dahinter und bietet Anschlüsse in die Region. Auf dem Steg wird die besondere Lage Rapperswils körperlich erfahrbar: Der See ist nicht nur Aussicht, sondern Weg.

Vom Hafen fahren Schiffe zu den Inseln Ufnau und Lützelau sowie zu weiteren Orten am Zürichsee, darunter Zürich und Schmerikon. Ufnau ist mit dem Kursschiff erreichbar; für Lützelau müssen saisonale Boots- und Zugangsangebote geprüft werden. Wer lieber an Land bleibt, kann die Promenade, Badeplätze und Velorouten nutzen oder den längeren Erlebnisweg Obersee wählen. Knies Kinderzoo liegt nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Stadtbusse und regionale Busse verbinden die Uferstadt mit Jona und Kempraten. Dadurch lässt sich ein Besuch leicht erweitern, ohne für jeden Weg ein Auto zu benötigen.

Anreise und praktische Hinweise

Von Zürich dauert die Zugfahrt nach Rapperswil laut regionaler Tourismusinformation rund 40 Minuten. Für konkrete Verbindungen sind der SBB-Fahrplan und aktuelle Baustellenmeldungen massgeblich. Eine Schifffahrt ab Bürkliplatz benötigt etwa zwei Stunden und ist eine schöne Alternative, deren Fahrplan sich nach der Saison richtet. Rapperswil-Jona verfügt über den Hauptbahnhof in Rapperswil, S-Bahn-Haltestellen in Jona und Kempraten, den Bahnhof Blumenau, ein Stadtbusnetz, Regionalbusse und einen Hafen. Das historische Zentrum mit Schloss, Museum, Markt und Holzsteg ist gut zu Fuss erreichbar; für die weiteren Quartiere ist der Bus praktisch.

Das Visitor Center am Fischmarktplatz gibt Auskunft zu Karten, Schifffahrt und Führungen. Hotels, Gasthöfe, Ferienwohnungen und Campingplätze in der Destination ergänzen Restaurants, Cafés und Läden im Zentrum. Für einen ersten Tag bietet sich eine Anreise mit dem Zug, ein Rundgang durch die Altstadt, der Schlossberg und das Museum an; danach führt der Holzsteg nach Hurden. Die Rückfahrt kann mit Zug oder Schiff erfolgen. Bei längerem Aufenthalt passen die Ufnau, das Seeufer Richtung Schmerikon und Kulturangebote in Jona dazu. Bitte vor der Planung aktuelle Zug-, Bus- und Schiffszeiten, Museumsöffnungen, Inselzugänge und saisonale Angebote kontrollieren.