Braunau am Inn lässt sich als Stadt verstehen, die an einer Flussquerung gewachsen ist. Die Altstadt liegt am österreichischen Ufer des Inn, gegenüber von Simbach in Bayern; gemeinsam bilden die beiden Gemeinden ein grenzüberschreitendes Mittelzentrum. Braunau ist Bezirkshauptstadt und die älteste sowie größte Stadt im oberösterreichischen Innviertel. Die Gemeinde nennt für den 1. Jänner 2026 17.572 Hauptwohnsitze; Statistik Austria weist für denselben Stichtag 17.534 Personen in der Gemeinde aus. Das sind keine konkurrierenden Angaben zur Altstadt: Beide beziehen sich auf die Gemeinde, verwenden aber unterschiedliche statistische Definitionen. Die Einwohnerzahl beschreibt daher eine kleine Stadt mit regionalen Aufgaben, nicht nur einen historischen Platz. Laut Gemeinde liegt Braunau rund 60 Kilometer von Salzburg und etwa 120 Kilometer von Linz und München entfernt. Die Gemeindefakten erklären Lage und Grenzbezug; das Datenblatt der Statistik Austria nennt Stichtag und Bevölkerungsmaß.

Bei der frühen Geschichte ist zwischen dem Bezirk und der Stadt zu unterscheiden. Ranshofen, heute Teil der Gemeinde, ist bereits 788 erwähnt; dieses Datum gehört zu Ranshofen, nicht zu Braunau. Braunau selbst erscheint erstmals 1110 schriftlich als „Prounaw“. Die Stadtchronik führt Braunau 1260 als Stadt an: Herzog Heinrich XIII. beauftragte damals die Instandsetzung der Mauern und den Bau einer Innbrücke. Salzprivilegien von 1364 und 1383 stärkten den Handel mit Flussverkehr und Salzlagerung. Ein großer Brand zerstörte 1380/81 die frühe hölzerne Stadt samt Brücke; beides wurde wieder aufgebaut. Diese urkundlich belegte Entwicklung ist kein Nachweis einer älteren römischen oder griechischen Stadt an dieser Stelle. Die gotische Pfarrkirche St. Stephan entstand im wirtschaftlich erfolgreichen Spätmittelalter; ihr 87 Meter hoher Turm prägt noch heute das Stadtbild. Die Gemeinde trennt in ihrer Chronik die Geschichte Ranshofens und Braunaus vor 1260 von der ausführlichen Stadtgeschichte ab 1260.

Ein Rundgang kann am weitläufigen Stadtplatz beginnen und über die alten Gassen zu St. Stephan und zur Herzogsburg führen. Der Stadterlebnisweg mit acht Stationen verbindet historische Originalschauplätze mit der Architektur der Altstadt. Stadtführungen, Nachtwächterrunden und Besuche des Kirchturms ergänzen den selbstständigen Rundgang. Das Bezirksmuseum in der Herzogsburg zeigt archäologische Funde und regionale Kunst, darunter einen hallstattzeitlichen Goldhalsring aus Uttendorf sowie Objekte von der Urgeschichte bis in die Neuzeit. Eine besondere lokale Erzählung rankt sich um den etwa zwei Meter langen Bart des Ratsherrn Hanns Steininger, der im Museum gezeigt wird. Einer alten Überlieferung zufolge stolperte Steininger beim Weg zu einem Brand über den Bart; das Exponat ist real, die dramatische Todesursache bleibt eine Legende. Ein kleineres, ungewöhnliches Museum ist das Vorderbad: Es wird 1592 erstmals schriftlich erwähnt, bestand aber schon früher. Braunau betrieb einst drei öffentliche Badeanlagen am Stadtbach; die restaurierte Badestube vermittelt Bade- und Heilpraktiken sowie den Alltag anhand von Tafeln und Hörstationen. Öffnungszeiten können saisonal abweichen und sollten vor dem Besuch geprüft werden. Informationen bietet die Stadt zum Stadterlebnisweg, zum Bezirksmuseum Herzogsburg und zum Vorderbad.

Ranshofen eröffnet einen zweiten Schwerpunkt außerhalb der Altstadt. Die frühe Erwähnung der Siedlung und das 1125 gegründete Augustiner-Chorherrenstift gehören zu einer anderen Zeitschicht als Braunaus Stadtwerdung. Das ehemalige Stift, heute Schloss Ranshofen genannt, wurde für die Landesausstellung 2012 renoviert und dient kulturellen Veranstaltungen und städtischen Funktionen. Auch die Gegenwart ist dort sichtbar: Der AMAG-Standort in Ranshofen stellt Aluminiumguss- und Walzprodukte her und verarbeitet Aluminiumschrott. Braunaus Wirtschaft besteht somit nicht nur aus historischem Erbe, sondern auch aus Verwaltung, Handel, Dienstleistungen, grenzüberschreitender Versorgung und Produktion. Mittwochs findet im Zentrum ein Wochenmarkt statt; am Freitag bietet der Bauernmarkt regionale Lebensmittel direkt von Produzentinnen und Produzenten. Aktuelle Zeiten und Orte stehen auf der Marktseite der Gemeinde. Die Geschichte und Veranstaltungsräume erläutert die Stadt für Schloss Ranshofen; AMAG beschreibt die Produktion am Standort.

Die Zeitgeschichte verlangt eine sachliche und respektvolle Einordnung. Adolf Hitler wurde 1889 in Braunau geboren; das Haus in der Salzburger Vorstadt zog später unerwünschte Pilgerreisen und politische Auseinandersetzungen an. Seit der offiziellen Eröffnung am 22. Juli 2026 befindet sich in dem Gebäude ein Polizeizentrum; es ist kein öffentliches Museum. Davor steht ein Mahnstein aus Granit aus dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen mit einer Botschaft für Frieden, Freiheit und Demokratie. Die Stadt und örtliche Erinnerungsorganisationen veranstalten jedes Jahr um den 8. Mai eine Gedenkstunde für die Opfer von Krieg und Nationalsozialismus. Stolpersteine, historische Forschung und die Zeitgeschichte-Tage gehören ebenfalls zu Braunaus Umgang mit dem belasteten Erbe. So lässt sich die Geschichte ernst nehmen, ohne die heutige Stadt und ihre Bewohner darauf zu reduzieren. Die Eröffnung des Polizeizentrums beschreibt das Innenministerium; die Gemeinde informiert über den Mahnstein und das jährliche Gedenken.

Mit der Bahn führt die ÖBB-Linie 190 von Braunau über Mattighofen und Neumarkt am Wallersee nach Salzburg und weiter Richtung Freilassing. Der Bahnhof eignet sich als Ausgangspunkt: Der Citybus verbindet ihn mit dem Stadtplatz, Linie 3 fährt vom Zentrum nach Ranshofen. Zu Fuß oder mit dem Rad lässt sich der Inn nach Simbach überqueren und der Ausflug in die gemeinsame Grenzlandschaft fortsetzen. Abfahrten unterscheiden sich nach Wochentag und Saison; Fahrpläne sollten besonders vor Wochenend- und Feiertagsreisen geprüft werden. Für die Anreise sind der aktuelle ÖBB-Fahrplan der Linie 190 und die Citybus-Übersicht die verlässlichsten Wegweiser. Braunau belohnt ein langsames Tempo: vom Fluss den Blick zum gotischen Turm heben, den Spuren des Handels durch die Gassen folgen und anschließend nach Bayern hinübergehen – in eine Grenzstadt, die nicht nur erinnert, sondern auch heute ein regionaler Arbeits- und Lebensort ist.