Altena steigt in mehreren Schichten über der Lenne auf: Häuser säumen den Fluss, steile Gassen führen zur Burg, und die Geschichte der Drahtherstellung reicht von wassergetriebenen Werkstätten bis in die Gegenwart. Die Kleinstadt im Märkischen Sauerland östlich des Ruhrgebiets besitzt eine ausgeprägte industrielle Identität und eine ungewöhnliche Besuchergeschichte. IT.NRW zählte 16.509 Einwohnerinnen und Einwohner in der gesamten Stadtgemeinde am 30. Juni 2025; die Zahl umfasst das ganze Gemeindegebiet und nicht nur den dicht bebauten Talraum. Das städtische Tourismusportal nennt Altena Burg- und Drahtstadt – ein Ausdruck, der sowohl die Silhouette als auch das Handwerk beschreibt, das Arbeit und Landschaft geprägt hat.

Die Chronik der Burg setzt den Ursprung ihrer Mauern vorsichtig um das Jahr 1100 an, behauptet aber kein gesichertes Gründungsdatum. Sie bringt die Entstehung der Anlage mit der Eisenverarbeitung im Märkischen Sauerland in Verbindung: Frühe Rennfeueröfen sind in der Region seit etwa 800 nachweisbar; dass die Burg zum Schutz und zur Nutzung des Metallgewerbes errichtet wurde, bezeichnet die Chronik als plausible Vermutung. Die Siedlung entwickelte sich unterhalb des Burgbergs im Lennetal, wo Wasserkraft und die enge Tallage den Alltag prägten. Später wurde Eisen zu Draht verarbeitet, und Altena wurde zu einem Zentrum der Drahtherstellung. Das heutige regionale Tourismusportal weist darauf hin, dass in der Stadt weiterhin Draht produziert wird. Die städtische Drahtgeschichte erläutert, wie Erz, Wasserkraft und Holzkohle aus den Wäldern den Wirtschaftszweig ermöglichten.

Ein wichtiger Hinweis verändert den Blick auf die Burg: Ihre heutige Silhouette ist keine unangetastete mittelalterliche Anlage. Nach Zeiten des Verfalls und der Nutzung unter anderem als Gericht, Gefängnis, Krankenhaus und Armenhaus begann 1907 der Wiederaufbau, der 1914 weitgehend abgeschlossen war. Der historistische Entwurf war Gegenstand einer heftigen öffentlichen Debatte und gab den erhaltenen Mauern eine romantisierende Gestalt. Das Museum erklärt selbst, dass die Inszenierung ein idealisiertes Bild einer mittelalterlichen Burg vermitteln konnte. Auch diese spätere Schicht gehört zu Altenas Geschichte: Die Stadt entschied sich, den weithin sichtbaren Ort wiederherzustellen und kulturell zu nutzen. Die Chronik der Burg trennt vermutete mittelalterliche Anfänge, Zeiten des Niedergangs und den Wiederaufbau des 20. Jahrhunderts.

1914 erhielt die Burg eine zweite Geschichte von internationaler Bedeutung. Der Altenaer Lehrer Richard Schirrmann richtete gemeinsam mit Wilhelm Münker ein, was das Museum als erste ständige Jugendherberge der Welt bezeichnet. Die erhaltenen Räume sind Teil des Museumsrundgangs: Zu sehen sind der Gemeinschaftsraum und ursprüngliche Schlafräume mit den Eichenbetten, die Schirrmanns Idee anschaulich machen. Bis 1958 war die Herberge dort in Betrieb; gelegentlich diente sie noch bis 1965 als Notunterkunft. In der Vorburg wird weiterhin eine DJH-Jugendherberge betrieben – der Ort ist also nicht nur musealer Erinnerungsraum. Die Ausstellung Weltjugendherberge beschreibt, was original erhalten ist und wie die Bewegung erzählt wird.

Für die Museen sollte man Zeit einplanen. Das Museum der Grafschaft Mark verbindet regionale Geologie, Archäologie, Schmiedekunst, Sozialgeschichte und Industrialisierung. Das Deutsche Drahtmuseum liegt rund 300 Meter unterhalb der Burg in einem ehemaligen Schulgebäude und hat Platz, den Werkstoff ausführlicher zu behandeln. Es geht dort nicht nur darum, wie Draht gezogen wird, sondern auch darum, wie dieses vielseitige Material Arbeit, Technik und Alltag verändert hat. Die offizielle Museumsseite weist derzeit den freien Eintritt in die Museen der Burg und das Drahtmuseum aus; für den Erlebnisaufzug gelten eigene Besuchsbedingungen. Der Aufzug führt von der Innenstadt durch einen Erlebnisstollen hinauf in den oberen Burghof. Das Tourismusportal beschreibt ihn als barrierefreien Zugang zum Burghof. Vor dem Besuch bitte Öffnungszeiten, Zugänglichkeit und Aufzugspreise auf der offiziellen Museumsseite prüfen.

Auch am Fluss lässt sich die Industriegeschichte ablesen. Auf der Lennepromenade stehen Drahtbäume aus Metall. Sie übersetzen einen lokalen Werkstoff in ein Wahrzeichen und erinnern daran, wie stark die Drahtherstellung von Erz, fließendem Wasser und Holz als Brennstoff abhing. Ein kleineres Industriekulturziel liegt in Evingsen, einem Ortsteil Altenas. In der Drahtrolle am Hurk wurde mithilfe der Wasserkraft Draht gezogen und wurden Ahlen geschliffen. Das Bruchsteinhaus mit Wasserrad lässt sich von außen betrachten; für eine Besichtigung im Inneren bittet der Heimatverein um vorherige Anmeldung. Im Zentrum verbindet ein geführter Rundgang die Lenne- und Kirchstraße, die historische Burg Holtzbrinck, das Glockenspiel am Haus Köster-Emden und die barocke Lutherkirche. Das Tourismusbüro bietet Spaziergänge zur Fluss-, Industrie- und Stadtgeschichte an; das Führungsprogramm wechselt im Jahreslauf.

Natur liegt in Altena nicht weit außerhalb, sondern beginnt am Rand der Stadt. Der Ort füllt ein steiles, enges Flusstal; Aussichtspunkte, Wald und Wege schließen unmittelbar an die Innenstadt an. Waldpfade und längere Strecken des Sauerlandes führen aus den Siedlungsbereichen hinaus, während der Burgberg anschaulich macht, wie die Lenne Siedlung und Verkehr beeinflusst hat. Das städtische Portal bündelt Wander- und Radwege, geführte Touren und Ausflugsziele des Märkischen Sauerlandes. Vor einer Wanderung sollte man den Wegzustand prüfen, besonders nach starken Regenfällen: In den Hängen können kurze Luftlinien zu einem steilen Anstieg werden.

Die Anreise mit der Bahn ist gut möglich, hat aber einen wichtigen Kniff. Der Bahnhof Altena (Westf.) liegt an der Ruhr-Sieg-Strecke zwischen Hagen und Siegen. Das Tourismusportal nennt die Linien RE16 und RB91 und beschreibt Busse der Linien 37 und 38 vom Bahnhof zum Busbahnhof Markaner sowie weiter entlang der Lenne in Richtung Drahtmuseum. Aus Richtung Hagen wird der Zug in Letmathe geteilt. Man sollte daher in dem Zugteil sitzen, der nach Altena und Siegen fährt, nicht in dem nach Iserlohn. Fahrpläne und Betrieb können sich ändern; bitte die Verbindung für den Reisetag prüfen. Mit dem Auto empfiehlt die Touristinformation die A45 bis Lüdenscheid-Nord oder die A46 bis Iserlohn-Oestrich und anschließend die B234 parallel zur Lenne. Der Anreisebereich informiert auch über Parkplätze und Anschlüsse vor Ort.

Für den ersten Besuch bietet sich an, vom Bahnhof am Fluss entlang in die Innenstadt zu gehen, mit dem Erlebnisaufzug zur Burg zu fahren und die Museen einzuplanen. Wer die Steigung mag, kann durch die alten Gassen zu Fuß wieder hinuntergehen. Drahtmuseum und Lennepromenade ergänzen einen Tag zur Industriegeschichte; Evingsen oder eine längere Waldwanderung passen besser zu einem zweiten Ausflug. Das Tourismusportal bündelt Übernachtungen, Gastronomie, Führungen und Veranstaltungen. In der Vorburg kann man sogar in einer weiterhin betriebenen Jugendherberge übernachten. Altena ist gerade deshalb interessant, weil die Widersprüche sichtbar bleiben: eine mittelalterliche Burg, deren heutiges Bild stark aus dem 20. Jahrhundert stammt; eine weltweit verbreitete Idee der Jugendbegegnung aus einer kleinen Industriestadt; und ein Handwerk, dessen Spuren noch heute das Flusstal begleiten.