Wer in Bludenz umsteigt, kann die Wartezeit nutzen, um eine ungewöhnliche Stadtgeschichte kennenzulernen. Zwischen Laubengängen und Stadttoren hält sich die Jahreszahl 1274 als angebliches Gründungsdatum. Die örtliche Geschichtsforschung hat diese einfache Erzählung korrigiert. Das passt zu einer Stadt, die einst Markt und Gerichtsort der benachbarten Täler war und heute zugleich Bahn- und Arbeitsstandort ist.
Keine Urkunde für das alte Jubiläum
Eine städtische Geschichtsveranstaltung nennt die „villa Pludono“ um 842/843 als erste urkundliche Erwähnung. Sie belegt ein Dorf, keine römische Stadtgründung und kein Stadtrecht. In Bludenz Aktuell erklärt die Stadt, dass sich die Stadterhebung nach dem Forschungsstand auf 1264 bis 1268 eingrenzen lässt; 1274 scheidet aus. Deshalb wurde das vermeintliche 750-Jahr-Jubiläum 2024 nicht wiederholt. Quellenkritik nimmt dem Ort nichts von seinem Mittelalter, sie zeigt genauer, was belegt ist und was eine spätere Feiertradition war.
Der historische Rundgang des Tourismusverbands beginnt am Josef-Wolf-Platz. Er führt am Unteren und Oberen Tor, Mauerresten und Laubengängen vorbei zum Schloss Gayenhofen; die Strecke misst rund einen Kilometer. Darüber steht St. Laurentius. Wer die Tore und Gassen zu Fuß verbindet, erkennt den kleinen, befestigten Mittelpunkt der Wege ins Montafon und in die anderen Täler besser als von der Durchgangsstraße aus.
Produktionsort und Marktstadt
Statistik Austria weist zum 1. Jänner 2026 14.994 Einwohnerinnen und Einwohner für die Gemeinde aus, nicht nur für die Altstadt. Die Stadt berichtet über Schokoladeproduktion im Milka-Werk und den Textilstandort Getzner. Der Samstagsmarkt bringt Produkte aus der Region in die Innenstadt. Oberhalb bietet die Muttersbergbahn einen zweiten Blick auf das Tal; ihre Betriebstage wechseln saisonal.
Von Feldkirch oder Bregenz erreicht man Bludenz über die ÖBB-Strecke 401; von Innsbruck führt die Arlbergbahn 400 zum Bahnhof. Von dort ist der Altstadtrundgang erreichbar. Prüfen Sie vor der Fahrt aktuelle Fahrpläne und baustellenbedingte Änderungen.