Binz wird oft über den langen Ostseestrand erzählt. Doch das Seebad erschließt sich erst, wenn man vom Strand weggeht: westwärts zum Schmachter See, nach Südosten in den Granitzwald und nach Norden nach Prora. So liegen Promenade, stille Schilfufer, ein Jagdschloss und ein Ort der deutschen Zeitgeschichte innerhalb derselben Gemeinde. Das amtliche Gemeindeverzeichnis nennt zum 30. September 2026 insgesamt 5.293 Einwohner und 25,18 Quadratkilometer Fläche. Die Gemeinde selbst veröffentlichte für Juni 2025 eine andere Zahl: 6.636 Menschen, davon 5.780 mit Hauptwohnung und 856 mit Nebenwohnung. Das sind unterschiedlich datierte und abgegrenzte Messungen; sie lassen sich nicht als einfache Zu- oder Abnahme vergleichen. Der statistische Eintrag weist den aktuellen Stichtag aus.

Schriftlich erscheint der Ort 1318 als „Byntze“ in einem Verzeichnis kirchlicher Abgaben der Insel Rügen. Das belegt den damaligen Namen, aber keine exakte Gründung. Lange blieb Binz ein Dorf von Bauern und Fischern. Den Ausgangspunkt für den Wandel zum Seebad setzt die lokale Geschichte um 1830: Fürst Wilhelm Malte zu Putbus ließ nahe dem Abfluss des Schmachter Sees einfache Badebauten für seine Gäste errichten. Bis zur Mitte der 1880er Jahre war Binz zum anerkannten Seebad geworden; in den folgenden Jahrzehnten kamen Hotels, Promenade, Seebrücke und Kleinbahn hinzu. Die Ortsgeschichte von Binz zeigt den Wandel, ohne aus dem mittelalterlichen Ortsnamen eine unbelegte Antike abzuleiten.

Die Villen an der Strandpromenade gehören zur Bäderarchitektur, die an der deutschen Ostsee um 1900 ihren eigenen Charakter entwickelte. Auswärtige Bauherren ließen Pensionen und Hotels errichten, deren Türmchen, Veranden, Balkone und geschnitztes Holzwerk die Häuser unterscheidbar machten und zugleich einen zusammenhängenden Straßenraum schufen. Diese Fassaden erzählen auch von einer neuen Wirtschaftsform: Übernachtung und Erholung wurden zum Mittelpunkt des Ortes. Wer vom Kurhaus aus die Promenade entlanggeht, sieht, wie die Gästehäuser nicht als Einzeldenkmale, sondern als geschlossenes Küstenquartier wirken. Der Rundgang zu den Binzer Villen führt in diese Baugeschichte ein.

Am Kurplatz treffen Seebrücke, Kurhaus und Strand aufeinander. Die heutige Seebrücke wurde 1994 eingeweiht, nachdem frühere Landungsbrücken mehrfach zerstört worden waren. Das Kurhaus eröffnete 1890 und wird heute als Hotel genutzt. Von hier sind Promenade, Strand und Veranstaltungsplatz bequem zu Fuß erreichbar. Wer die offene Küste gegen ein ruhigeres Ufer tauschen möchte, geht zum Schmachter See. Dort führen Promenade und Park der Sinne entlang von Schilf und Wasser. Der örtliche Sehenswürdigkeitenführer bündelt Hinweise zu Kurplatz, Seebrücke, See und Park.

Der Dienstleistungscharakter des Seebads wird im Haus des Gastes ganz konkret. Das Backsteinhaus wurde 1896 als Gemeindehaus mit Warmbad errichtet. 1903 gab es dort 17 Badezellen, die über eine 600 Meter lange Leitung mit Ostseewasser versorgt wurden. Heute erhalten Gäste hier Karten, Inselinformationen, Ausflugstipps und Veranstaltungstickets; auch Bustagestouren lassen sich buchen. Öffentliche Toiletten und kostenloses Internet stehen bereit. Im nahe gelegenen Kleinbahnhof zeigt das Museum Ostseebad Binz historische Bademode, Fotos, Ansichtskarten und ein Modell des Kurhauses um 1900. Die kommunale Tourismusseite erklärt die Besucherangebote und die Geschichte des Hauses.

Prora, nördlich des Ortskerns, gehört zur Gemeinde und erzählt eine andere deutsche Geschichte. Unter der NS-Herrschaft begann dort der Bau einer monumentalen Ferienanlage der Organisation „Kraft durch Freude“; fertiggestellt wurde das Vorhaben nicht wie geplant. In der DDR nutzte das Militär einen Teil der Anlage. Das Dokumentationszentrum Prora vermittelt Entstehung und spätere Nutzungen des Komplexes – ein notwendiger Gegenpol zur idealisierten Kurortkulisse. In der Nähe liegt das Naturerbe Zentrum Rügen mit einem Baumwipfelpfad und Aussichtspunkt. Öffnungszeiten und Führungen sollte man vorab beim Dokumentationszentrum Prora und beim Naturerbe Zentrum prüfen.

Die Granitz ist nicht bloß ein grüner Hintergrund für Binz, sondern ein Ausflugsgebiet mit Wanderwegen und dem Jagdschloss Granitz. Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus ließ das Schloss zwischen 1837 und 1846 auf dem 107 Meter hohen Tempelberg errichten. Der von Karl Friedrich Schinkel entworfene Mittelturm eröffnet einen weiten Blick über Rügen; im Schlossmuseum geht es auch um Jagd und das Leben des 19. Jahrhunderts. Zur Anreise bietet sich der Rasende Roland bis zum Haltepunkt Jagdschloss mit anschließendem Fußweg an. Alternativ fährt der VVR-SchlossBus 28 vom Großbahnhof über Ortsmitte und Kleinbahnhof zum Schloss. Die staatliche Schlossverwaltung weist darauf hin, dass keine direkte Anfahrt mit Pkw oder normalem Bus bis zum Schloss möglich ist. Vor der Tour helfen der Besucherservice des Landes und die Routeninformation der VVR.

Für Inselrundfahrten ist Binz ein praktischer Ausgangspunkt. Der historische Rasende Roland verbindet Putbus, Binz, Sellin, Baabe und Göhren. Der RE9 fährt auf der Relation Rostock–Stralsund–Sassnitz/Ostseebad Binz. Vom Festland erreicht man Rügen über die Brücke bei Stralsund; die touristische Anfahrtsbeschreibung führt auf der B96 bis Bergen und anschließend auf der B196 über Karow oder Serams nach Binz. Am Bahnhof gibt es Live-Abfahrten und Hinweise auf Fahrplanänderungen. Gerade im Sommer können Straßenverkehr und saisonale Angebote den Ablauf verändern. Vor der Fahrt sollte man deshalb die Anreiseinformationen der Binzer Bucht, den aktuellen Bahnhofsfahrplan und den Fahrplan des Rasenden Roland prüfen. Binz ist am reizvollsten, wenn der Strand nicht das einzige Ziel bleibt: Seeufer, Museum, Granitz und Prora erzählen jeweils eine andere Seite der Gemeinde.